Gedenktag am 23.11.2021

„WIR WERDEN IMMER WIEDER DA SEIN“

“BİZ HER ZAMAN ORADA OLACAĞIZ”

Dienstag, 23. November 2021
17 – 18 Uhr

Offenes Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz vor dem Bahide – Arslan – Haus in Mölln

23 Kasım 2021, Salı akşamı,
Saat 17:00 – 18:00 arası

Mölln de Bahide-Arslan-Evi önünde, Bahide ve Yeliz Arslan ile Ayşe Yılmaz’ın Açık anma töreni

Mühlenstraße 9, 23879 Mölln

reclaimandremember #erinnernerkämpfen #anılarıcanlıtutmamücadelesi

Wir bitten Euch darum, solidarische Veranstaltungen vor Ort in Euren Städten zu organisieren. Pandemiebedingt ist die Teilnahme vor Ort leider nur begrenzt möglich.

  • Haltet den Mindestabstand von 1,5 m unbedingt ein;
  • Stellt euch auf die Bodenmarkierungen;
  • Tragt durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz;
  • Niest und hustet in die Armbeuge.
  • Wir behalten uns vor, Personen ohne Mund-Nasen-Schutz von der Gedenkveranstaltung auszuschließen.
  • Bitte kommt nicht zur Gedenkveranstaltung, wenn Ihr an COVID-19 erkrankt seid, Quarantäne angeordnet bekommen habt oder unter Erkältungssymptomen leidet.
  • Es kann sein, dass zum Schutz vor Covid-19 weitere Maßnahmen getroffen werden müssen. Wir geben diese soweit wie möglich vorher sowie am Tag der Gedenkveranstaltung bekannt.

Möllner Rede im Exil 2021

Die diesjährige Möllner Rede im Exil findet am 7. November 2021 in Kiel statt. Die Redner*innen sind Angehörige der Familien Arslan und Yılmaz und Freundeskreis United. Sie kann hier auf Youtube weiterhin angeschaut werden.

Ayşe Yılmaz, Yeliz und Bahide Arslan wurden am 23.11.1992 in Mölln bei einem rassistischen Brandanschlag ermordet. Im Gedenken an sie findet die „Möllner Rede im Exil“ statt. Seit 2013 ist die Rede nicht mehr Teil des offiziellen Gedenkens der Stadt Mölln. Es schien nicht länger erwünscht, dass die Familie der Ermordeten die Redner:innen selbst bestimmt. Seitdem wird sie an wechselnden Orten „im Exil“ gehalten.

Aber was bedeutet es zu Gedenken? Dieser Frage wollen der Freundeskreis und die Familien Arslan und Yılmaz in einer Symphonie der Solidarität nachgehen. Und so die Vielstimmigkeit der verbundenen Verletzlichkeiten betonen, die Betroffenenperspektive in den Vordergrund rücken und zu einer Vervielfältigung von selbstorganisierten, selbstbestimmten, solidarischen und empowernden Gedenkpraxen für eine gerechtere Gesellschaft aufrufen.

Organisiert von den Familien Arslan und Yılmaz, dem Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992, der Rosa Luxemburg Stiftung Schleswig-Holstein sowie der Autonomen Antifa-Koordination Kiel, der Galerie ONspace K34 e. V., dem netzwerk antirassistische aktion [nara] kiel, der Perspektive Solidarität Kiel (PSK) und dem Runden Tisch gegen Rassismus und Faschismus in Kiel.

Die Rede wird live auf den Bahide-Arslan-Platz in Kiel-Gaarden übertragen und im Internet gestreamt, der Link wird zeitnah bekannt gegeben. Es wird eine Übersetzung ins Türkische geben. Außerdem wird die Rede in DGS verdolmetscht.

HINTERGRUND

Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von neofaschistischen Tätern mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Anschlag wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige Ayşe Yılmaz und die 51jährige Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt. Zuvor hatten die Neonazis bereits einen Brandanschlag auf die Ratzeburger Straße 13 verübt, wo ebenfalls Menschen türkischer Herkunft wohnten. Neun von ihnen erlitten schwere Verletzungen.

Die Angehörigen und Überlebenden des Anschlags setzen sich seit vielen Jahren für ein selbstbestimmtes Gedenken von Betroffenen und Überlebenden rassistischer Gewalt ein. Ein Bestandteil dessen ist auch die „Möllner Rede im Exil“. Sie ist immer eine kritische Bestandsaufnahme zum gesellschaftlichen Rassismus, Neonazismus und Umgang mit Gedenken. Im Exil war die Rede bisher in Hamburg, Lüneburg, Bremen, Köln, Berlin und Frankfurt am Main zu Gast. Gehalten haben sie Kutlu Yurtseven, Adetoun Küppers-Adebisi, Argyris Sfountouris, Doğan Akhanlı, Esther Bejarano, İdil Baydar, Newroz Duman und Naomi Henkel-Gümbel.

Der „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“ besteht aus Mitgliedern und Freund:innen der Familie Arslan und Einzelpersonen verschiedener anti-faschistischer und anti-rassistischer Gruppen.


Sürgünde Mölln Konuşması

7.11.2021 Kiel

Konuşmacılar: Arslan ve Yılmaz Ailesi Fertleri ve Freundeskreis United

Ayşe Yılmaz, Yeliz ve Bahide Arslan 23 Kasım 1992’de Mölln’de ırkçı bir kundaklama saldırısında katledildiler. Onların anısına „Sürgünde Mölln Konuşması“ yapılıyor. Bu konuşma 2013’ten beri Mölln şehrinin resmi anma töreninin bir parçası değil. Katledilenlerin ailelerinin konuşmacıları kendilerinin seçmesi artık arzu edilmiyordu. O zamandan beri konuşma farklı yerlerde “sürgünde” yapılıyor.

Fakat anmak ne anlama geliyor? Arkadaş çevresi ve Arslan ve Yılmaz aileleri bir dayanışma senfonisi içerisinde bu sorunun peşinden gitmek istiyor. Ve böylece bağlantılı kırılganlıkların çok sesliliğini vurgulamak, etkilenenlerin bakış açısını ön plana çıkarmak, adil bir toplum için kendi kendini organize eden, kendi kaderini tayin eden, dayanışmacı ve güçlendirici anma uygulamarının çoğaltılması cağrısında bulunmak istiyorlar.

Türkçe çevirisi yapılacaktır. Konuşmanın ayrıca işaret dili tercümesi yapılacaktır.

Rosa Luxemburg Stiftung Schleswig-Holstein, Autonome Antifa-Koordination Kiel, Galerie ONspace K34 e. V., netzwerk antirassistische aktion [nara] kiel, Perspektive Solidarität Kiel (PSK), Runder Tisch gegen Rassismus und Faschismus in Kiel, Arslan ve Yılmaz aileleri ve „Mölln 1992 ırkçı kundaklama suikastini anan arkadaş çevresi“ tarafından organize edilmektedir.

ARKA PLAN

Arslan ailesinin evi 23.11.1992’de neo-faşistlerce Molotof kokteylleriyle kundaklandı. Bu saldırıda 10 yaşındaki Yeliz Arslan, 14 yaşındaki Ayşe Yılmaz ve 51 yaşındaki Bahide Arslan katledildiler. Diğer bazı aile fertleri ağır bir biçimde yaralandılar. Neo-Naziler daha önce Ratzenburger 13 adresinde, yine Türk asıllı kişilerin oturduğu bir binayı kundaklamışlardı. Bu kişilerden dokuzu ağır bir şekilde yaralanmıştı.

Saldırıdan kurtulanlar ve yakınları, ırkçı şiddetin kurbanları ve mağdurları için uzun yıllardan beri kendi karar verebilecekleri bir anma töreni talep ediyorlar. Bunun bir parçası da „Sürgünde Mölln Konuşması“. Bu konuşma toplumsal ırkçılık, Neo-Nazizim ve anmaların ele alınma şekilleriyle ilgili bir durum değerlendirmesidir. Konuşma bugüne kadar Hamburg, Lüneburg, Bremen, Köln, Berlin ve Frankfurt am Main’da sürgündeydi. Konuşmacı olarak şimdiye kadar Kutlu Yurtseven, Adetoun Küppers-Adebisi, Argyris Sfountouris, Doğan Akhanlı, Esther Bejarano ve İdil Baydar, Newroz Duman ve Naomi Henkel-Gümbel yer aldı.

„Mölln 1992 ırkçı kundaklama suikastini anan arkadaş çevresi“ Arslan ailesinin üyeleri ve arkadaşları ile çeşitli faşizm karşıtı ve ırkçılık karşıtı grupların bireylerinden oluşmaktadır.

Bild
Ankündigung der Möllner Rede im Exil 2021 in Deutscher Gebärdensprache DGS

Unser Youtube-Kanal: https://www.youtube.com/channel/UCMXrkI6oQeszZ6yFFlHR0vw

Zum Mitschnitt der Möllner Rede im Exil 2021:

Möllner Rede im Exil vom 18. April 2021

Wir dokumentieren hier die „Möllner Rede im Exil“, die Newroz Duman und Naomi Henkel-Gümbel am 18. April 2021 in Hamburg in Gedenken an Yeliz Arslan, Bahide Arslan und Ayşe Yılmaz gehalten haben. Da die Rede 2020 pandemiebedingt ausfallen musste, wurde sie ins Frühjahr 2021 verlegt. Organisiert wurde die Veranstaltung von den Familien Arslan und Yılmaz und dem „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“. Wir danken Kampnagel für die solidarische Unterstützung dieser Veranstaltung. Die Rede wurde auf der Bühne konsekutiv ins Türkische übersetzt und simultan DGS verdolmetscht. Eine englische Simultanübersetzung wurde online angeboten. Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Beteiligten. Der Mitschnitt der Rede kann hier angesehen werden.


Wir sind die Radikale Vielfalt an sich; das Schöne, das Andere, das Sichtbare, das Mögliche. Aber wie sind wir das geworden?

Wir alle tragen die unterschiedlichsten Geschichten mit uns: die eigenen, die geerbten, die erträumten, die verlorenen, die erstrebten, die erkämpften…

Die unterschiedlichsten Geschichten, und doch eint es uns, dass wir heute hier sind.

Was ist dieses etwas aber, das uns eint?

Unser Alltag wurde durch Gewalt und Ausgrenzung gebrochen. So weit, dass wir um unser eigenes Leben und das unserer Liebsten fürchten mussten, vielleicht immer noch fürchten.

Diese Furcht – bei manchen schlug sie in einen Schmerz über den Verlust eines geliebten Menschen um.

 10373 Tage sind vergangen. 10373 Tage.

Das sind 28 Jahre, 4 Monate und 26 Tage, die seit dem 23. November 1992 vergangen sind. Das sind 10373 Tage ohne Bahide, Yeliz und Ayşe.

Das sind 10373 Tage, seitdem die Welt ohne das Lachen und ohne die Wärme der Drei auskommen muss. Es sind 10373 Tage, in denen Geburtstage, Familienfeiern, Hochzeiten, Feiertage gefeiert wurden und ihre Präsenz fehlte. 10373 Tage, die ihnen geraubt wurden. Diese Drei –  Bahide, Yeliz und Ayşe – sie sind vor 28 Jahren, 4 Monaten und 26 Tagen aus dem Leben gerissen worden.

Sie wurden ihres Lebens beraubt; auf einem nicht natürlichen Weg. Auf einem ungerechten Weg. Auf einem hasserfüllten Weg. Jemand hat Dir aus hasserfüllten Motiven Deine Liebsten genommen.

Der Verlust einer geliebten Person: Wie geht man damit um? Wie findet man Kraft für jeden neuen Tag? Was tut man, wenn man an sich zweifelt? Wenn man an der Welt verzweifelt?

Und irgendwann trifft einen diese Erkenntnis: Es gibt kein zurück zur Normalität. Dieser Tag, dieser Moment, er hinterlässt Narben, die bleiben und uns für immer prägen. Es gibt Tage, an denen reißen die Narben auf und man fühlt den starken, stechenden Schmerz. Und dann gibt es Tage, an denen uns diese Narbe unterschwellig beeinträchtigt. Man wünscht sich die Tage vor jenem Tag, vor jenem Moment, zurück.

Was treibt einen an? Was treibt einen dazu, gegen den Widerwillen von Institutionen und der breiten Gesellschaft für Aufklärung zu streiten? Trotz des ganzen, auch danach noch, erfahrenen Unrechts, weiterzukämpfen?

Es gibt viele Beweggründe. Für manche ist es die schiere Wut, die sie antreibt. Wut, dass diese Tat überhaupt passieren konnte. Dass die Angst, der Schmerz, der Verlust nicht anerkannt werden.

Andere sind getrieben von einem Gefühl der Verantwortung oder sogar Schuld ihren Liebsten gegenüber. Verantwortung, für Aufklärung zu sorgen und ihrer zu gedenken.

Wieder anderen hilft es bei der Bewältigung des Erlebten. Auch wenn es die Narbe nicht heilen kann, hilft es ihnen, einen Umgang mit ihrem Schmerz zu finden.

Für manche sind es auch alle Gründe zusammen. Doch unabhängig davon, was uns genau antreibt, ob Wut, Verantwortung, Bewältigung oder alles drei, eines haben wir gemeinsam:

Wir haben uns dem nicht gebeugt – wir sind nicht in die Unsichtbarkeit gegangen.

Wir sind die Radikale Vielfalt an sich; das Schöne, das Andere, das Sichtbare, das Mögliche.

Aber wie sind wir, wir Newroz und Naomi, das geworden?

Newroz

Meine ersten Erfahrungen mit Rassismus in Deutschland begannen in dem Moment, als ich hier ankam. Ich war sehr jung, als ich hier ankam. Mit zwölf Jahren blickte ich bereits auf eine persönliche Fluchtgeschichte zurück. Von woanders bin ich losgegangen, um hier anzukommen und zu bleiben. Letzteres war lange Zeit unklar. Vieles, was nach meiner Ankunft passierte, geschah anders als ursprünglich erhofft. Es folgten Jahre der Ausweglosigkeit, Jahre der Ohnmacht und Perspektivlosigkeit, Jahre der Traurigkeit und der Niedergeschlagenheit. Jahre, in denen das Leben schwer auf unseren Schultern lastete. Ganze neun Jahre lang war mein Leben und das meiner Familie von dieser Last durchzogen gewesen. Es gab keine Klarheit, keine Gewissheit, keine Sicherheit. Wir waren nie sicher, ob wir hier auch wirklich bleiben durften. Wir lebten in Angst. Es war ein Leben auf gepackten Koffern. Es war ein ungerechtes, ein würdeloses Leben. Wir lebten nicht unser Leben, sondern das, was der deutsche Staat für uns auserkoren hatte. Wir lebten ein fremdbestimmtes Leben. Dieses Unrecht der Isolation, der Diskriminierung und des Rassismus, der allesamt die Behörden und die Institutionen hierzulande prägt, haben mir meine Jugend geklaut. Eine Kette der Verbote und Verordnungen bestimmte, wie wir zu leben hätten, oder, eigentlich besser ausgedrückt, wie wir nicht leben durften. Entrechtung, Residenzpflicht,  Ausbildungsverbot, Arbeitsverbot, schlaflose Nächte, Nachtwachen von solidarischen Menschen. Lässt sich Unrecht mit einer einfachen Aufzählung ausdrücken? Lassen sich die geraubten Jahre irgendwie ausgleichen? Wie sähe Gerechtigkeit hierfür aus? Ist Gerechtigkeit in diesem Land eine Realität?

Der Punkt der tiefsten Verzweiflung war die Abschiebung meiner Brüder und meines Onkels. Um 4:00 Uhr morgens klingelt plötzlich die Tür kurz. Es folgen Tritte dagegen. Ich wache auf, laufe zur Tür, öffne sie und sehe die Polizei. Ein Schock geht durch meinen Körper. Ich erstarre, bleibe regungslos. Nicht so die Beamt:innen. Sie stürmen rein. Viele, sehr viele Polizist:innen stürmen im Morgengrauen unser Haus. Sie sind vor dem Haus, hinter dem Haus, im Haus, sie sind in meinem Zuhause. Sie sind überall. Sie gehen in alle Zimmer, durchleuchten alle Ecken. Ich höre Schreie. Meiner Mutter wird angeordnet, sie dürfe ihr Zimmer nicht verlassen. Ihre eigenen Kinder darf sie nicht sehen, die sie ihr just in diesem Moment wegnehmen. Meine zwei Brüder werden vom Staat aus unserer Mitte entrissen. Eine Abschiebung, die nicht einmal einen Abschied kennt. Ich frage noch einmal: wie sähe Gerechtigkeit in diesem Land für diejenigen aus, die rechtlos ein fremdbestimmtes Leben fristen müssen? 

Wir kamen als Schutzsuchende in dieses Land – und fanden uns in einem menschenverachtenden System wieder. Der Schutz, der existiert hier wenn überhaupt auf dem Papier und oftmals nicht einmal das. In diesen neun Jahren habe ich aber auch gelernt, wie Verzweiflung nicht mehr die Oberhand gewinnen kann. In meiner Wut darüber, dass ich kein normales Leben haben konnte, fand ich einen Ausweg aus der Hilflosigkeit und Regungslosigkeit.

Es konnte so nicht weiter gehen. Es durfte so nicht weitergehen. Also habe ich gelernt. Ich habe gelernt meine Geschichte zu erzählen, sie zu teilen und andere daran teilhaben zu lassen. Ich lernte, ich bin nicht die Einzige, ich lernte, ich hatte kein persönliches Problem, sondern ein Problem mit dem strukturellen Rassismus. Nicht ich war das Problem, sondern dieser rassistische Normalzustand. Ich lernte andere mit der gleichen Geschichte kennen und wir begannen, unsere Wut zu organisieren.

 Es ist die Geschichte des Nicht-Aufgebens, des Selbstbehauptens und des Veränderns. Und ich habe gelernt, was bedingungslose Solidarität ist. In Räume zu gehen die nicht meine waren, sich mit Menschen zu organisieren, die ähnliche Schicksale haben. Netzwerke schaffen, Treffen abhalten, gegenseitiges Zuhören, voneinander lernen, gemeinsam Weinen und Lachen, zusammen Streiten und Politik machen. All das wurde durch meine Wut möglich.

Naomi

„Sie müssen gesehen, gelernt und gelehrt werden. Say. Their. Names.“

Seit Jahrzehnten ringen Betroffene rechter Gewalt um Worte – um Worte, die umfassen, was sich nur schwer in Worte fassen lässt. Nicht selten fühlt man sich dabei kraftlos. Man fühlt sich müde bei diesem Ringen. Und nicht selten kann diese Müdigkeit einen verstummen lassen.

Ja, dieser Kampf um Sichtbarkeit, um Veränderung – in dunklen Momenten, in denen wir erneut mit Diskriminierung, mit Entwürdigung und sogar mit Anschlägen konfrontiert sind – lässt er Zweifel aufkommen. Zweifel, ob dieser Kampf es überhaupt wert ist.

Diese Dämonen in Form von Zweifeln, Müdigkeit,  Angst und Entwürdigung – sie nagen an einem, sie zerfressen einen von Innen und lassen einen gebrochen durch die Welt gehen.

Ich sage dies auch, weil ich das in meiner eigenen Familie gesehen habe.

Ein Teil meiner Familie hoffte, diesen Dämonen Einhalt gebieten zu können, indem Sie den erlebten Horror der Shoah wegsperrten, indem sie die Erinnerungen wegsperrten – wie eine Kiste, die man versucht in den Tiefen des Meeres zu versenken.

Ein anderer Teil hingegen schwor sich, nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, in der Hoffnung, dass die Geister des Erlebten von ihnen ablassen würden. Das Schweigen um das Erlebte, das Ausweichen – es nährte den Boden für meine eigene Zerrissenheit.

Auch ich verließ Deutschland in der Hoffnung, meine eigenen Geister hinter mir zu lassen.

Meine eigenen Geister waren die Beklommenheit, die sich aus internalisiertem Antisemitismus, aus Verantwortung und aus der Suche nach meinem Platz in der Welt speisten. Es wurde schließlich unerträglich und ich wollte diese Last nicht mehr auf meinen Schultern tragen.

Diese Last. Witze über Juden und Jüdinnen, die oft mit deren – mit meinem – Tod als Pointe endeten. Meine Mitschülerin, die meinte, dass 6 Millionen tote Juden eine unglaubwürdige Zahl und bestimmt übertrieben sei.

Mit jedem einzelnen dieser Momente, mit jeder einzelnen dieser Erfahrungen, distanzierte ich mich innerlich weiter und weiter. Dies führte zu dem Versuch, einen Neuanfang anderswo zu finden.

Ich finde im Deutschen nicht die Worte, die meinen inneren Konflikt wiederspiegeln.

I wanted to blossom and not to grow thorns.

Hanau und die Folgen

In Hanau beschäftigt uns von Anfang an, wie wir aus den Erfahrungen eures Kampfes und auch aus unseren eigenen Erfahrungen lernen können, um den Betroffenen des rassistischen Terroranschlags in Hanau vom 19.Februar 2020 besser beizustehen.

Als wir keine 48 Stunden nach den rassistischen Morden zum ersten Mal auf der Strasse laut die Namen der Ermordeten gesagt haben, da haben wir auch die Namen anderer Orte genannt. Wir haben an die NSU-Morde, an Mölln, an Kassel, und an Halle und an so viele weitere Orte erinnert. Wir taten es, weil Hanau kein Einzelfall war, weil es eine Kontinuität gibt.

Hanau, der 19. Februar 2020, 9 junge Menschen, 9 Leben, 9 Geschichten, 9 Morde  innerhalb von wenigen Minuten an zwei Tatorten. 9 Familien wurden zerstört. Kinder,  Mütter, Väter,  Geschwister, Freunde und Freundinnen wurden nicht geschützt und sind seitdem schwerst traumatisiert. Angst, Schutzlosigkeit, Trauer, Erschütterung und Wut waren überall in der Stadt zu spüren. Es gab viel Anteilnahme und Solidarität. Dank der Erfahrungen aus den Kämpfen und der Kontinuitäten des Erinnern durch die Betroffenen und Initiativen, allen voran durch das Tribunal NSU Komplex auflösen, wussten wir relativ schnell, wie wichtig es ist, die Namen zu nennen. Es darf keinen Raum für die Täter geben! Es braucht einen Raum für die Opfer! Die Perspektive der Betroffenen gehört in das Zentrum der Aufmerksamkeit und auch der Politik. Wir erinnern. Jeden Tag erinnern wir. Bis heute: SEDAT GÖKHAN SAID NESAR MERCEDES VILI HAMZA FERHAT KALOYAN UND FATIH.

Die Namen und Geschichten der Betroffen waren überall. Plötzlich entstand das Gefühl, dass Hanau überall sei. Und dennoch fragte ich mich Monate danach, wieso waren tausende Menschen nach dem Anschlag auf der Strasse und nicht mehr? Warum Tausende, aber nicht Hunderttausende? Waren 9 Morde immer noch nicht genug, um Konsequenzen zu ziehen? Waren es wirklich alle, die Mitgefühl und Betroffenheit verspürten? Sicher, für die Mehrheit der Gesellschaft war das, was passierte, ein Schock. Und dennoch bin ich mir sicher, es wäre anders verlaufen, wenn sich durch solch einen Anschlag die Mehrheit gemeint und bedroht gefühlt hätte.

14 Monate. Jeder Tag war ein Kampf, mit sich selbst und mit der Welt. Wir wissen, dass niemand aufgeben darf! Es muss weiter für Sichtbarkeit und Druck gekämpft werden. Das Versagen muss aufgedeckt werden! Oder war es gar kein Versagen,  sondern die Tradition der hessischen Sicherheitsapparate rechte Morde, Netzwerke nicht aufdecken zu wollen oder gar zu decken.

Es sind die Betroffen selbst, die recherchieren. Es sind die Betroffenen selbst, die zusammen mit einem bundesweiten Netzwerk an Personen, das sich von Anfang an in der Initiative 19. Februar zusammenfand, unentwegt Öffentlichkeitsarbeit betreiben, damit Aufklärung nicht mehr eine Forderung bleibt, sondern zu einer Tatsache wird. Und, leider, zur Wahrheit gehört auch, dass die Familien noch immer nicht so trauern können, wie es eigentlich sein sollte. Trauer ist ein Privileg, das ihnen nicht zugestanden, nicht ermöglicht wird. Weil zur Vorbedingung der Trauer als Prozess der Verarbeitung des Schmerzes auch Aufklärung, Wahrheit und Gerechtigkeit gehören. Sie sind in Hanau abwesend.

140qm gegen das Vergessen, wie wir unseren Laden in Hanau umschreiben, sind manchmal zu klein, für das was passierte. Zu klein für die Emotionen, für die Wut, die Trauer, die Politik der Selbstorganisierung, das gegenseitige Zuhören, Lachen, Weinen , Ideen entwickeln. Von Außen ist es nur ein Laden. Für manche von uns, die wir dort ständig sind, ist es ein Mahmal, für andere ein Prozessaal, ein Medium um die Forderungen der Angehörigen – Erinnerung- Aufklärung- Gerechtigkeit und Konsequezen – zu erkämpfen. Er ist aber auch, und das darf nicht vergessen werden, irgendwie auch ein Wohnzimmer, ein Ort des Gemeinsamen, in dem wir trotz all unserer Verschiedenartigkeit und Differenzen zueinander finden können, zumindest aber, uns gegenseitig anhören können. Denn Erinnern heißt, für Veränderung zu kämpfen.

Halle und die Folgen:

Der erste Knall. Es ist der 09. Oktober 2019 – oder der 10. Tishrei 5780 nach dem jüdischen Kalender. Es ist Yom Kippur, einer der höchsten jüdischen Feiertage. Ich und meine Freunde – wir sind raus aus der Großstadt und rein in die ostdeutsche Provinz.

Und es ist jener Knall, der mich aus meiner Müdigkeit gerissen hat. Yom Kippur – es geht um Einkehr, Selbstreflexion und ob wir weiterleben dürfen. An diesem Tag wird der Tradition nach unser Schicksal entschieden.

Dieser Knall. Ein Raunen geht durch die Reihen – Ist jemand umgefallen? Kommt er etwa von draußen? Ein weiterer Knall. Und noch einer. Und noch einer. Schmeißt etwa jemand Böller auf die Synagoge? Ratlosigkeit macht sich breit.

Es treten ein paar an den Tisch des Sicherheitsbeauftragten heran, auf dem sich der Monitor für die Außenkamera befindet.

Es geht alles so schnell und doch so langsam – wir sollen uns zügig in der Wohnung überhalb der Synagoge in Sicherheit bringen.

Wir sind hastig hoch – ich versank in meiner eigenen Welt, fernab von allem, und sah, wie Kleidungsstücke und Bettlaken zu einer Notfall-Leiter zusammen gebunden und Eingänge verbarrikadiert wurden. Nach außen hin waren wir alle erstaunlich ruhig und gefasst.

Ich stellte mir tatsächlich die Frage, ob ich die Situation für so kritisch erachtete, und selbst ein Handy nutzen würde, an diesem Tag der Einkehr, an dem wir traditionell keine Technologie benutzen – ich entschied mich dagegen.

Ich entschied mich dagegen.

Ich. entschied. mich. dagegen. – wie in aller Welt hab ich nicht verstanden, in welcher Gefahr wir uns befanden?

Es gab die ersten Spekulationen und Gerüchte darüber, was passiert war. Wir suchten Halt und versuchten der Angst, die in uns aufstieg, Einhalt zu gebieten. Wir sangen aus den Tiefen unserer Lungen unsere Gebete und wir tanzten gegen das an, was wir zu diesem Zeitpunkt schon als einen antisemitischen Vorfall benennen konnten.

Während des Gebets sah ich durch das bunte Glas der Fenster ein Flackern des Blaulichts der Polizei und der Feuerwehr von außen.

Ich konnte mir nicht vorstellen, welches Ausmaß dieses Ereignis hatte und was uns draußen erwarten würde.

Der Moment, in dem für mich klar wurde, dass jemand vor den Toren der Synagoge ihr Leben verlor;

Dieser Moment  –  er war ein Stich ins Herz. Es war zu unwirklich, zu schmerzhaft.

Ich weiß nicht mehr genau, wie es dazu kam, aber auf dem Weg ins Krankenhaus begannen wir „Am Israel Chai“, „das Volk Israel lebt“, zu singen.

Es war ein „Ja“ zum Leben. Wohl das erste bewusste in einer Reihe von den vielen, die diesem Anschlag folgen sollten.

Ich möchte Euch zu dem ersten Freitagabend nach dem Anschlag mitnehmen. Da war dieser Moment, der mir bis heute die Welt bedeutet. In die Gesichter zu schauen derer – unserer Familien, unserer Freund*innen – die wir in Berlin zurückgelassen hatten und die wir jetzt zum ersten Mal wiedersahen.

Dieser Tag in Halle – er sollte doch nur ein Ausflug sein. Niemand hätte sich ausmalen können, dass an diesem Tag Jana Lange und Kevin Schwarze ihr Leben verlieren würden und 70 weitere Menschen ihres um ein Haar verloren hätten.

Und ich war eine von ihnen. Diese tiefe Dankbarkeit, am Leben zu sein.

Aber mit dieser Dankbarkeit begann ich langsam zu verstehen, was in mir zerbrach. Es war ein allmählicher Prozess der Erkenntnis.

Ich traute meiner Wahrnehmung nicht mehr. Dieses Ereignis, dieser Anschlag nahm mir das. Die Frage, wie ich nicht in der Lage sein konnte, die Gefahr zu erkennen, in der wir uns befanden, bereitete mir schlaflose Nächte.

Immerhin hatte ich doch einen Abschluss in Terrorismus-Bekämpfung. Völliger Blödsinn. Und wie konnte ich nicht in der Lage sein, mich nicht davon zu befreien? Ich, die ausgebildete Therapeutin? Ich fühlte mich gefangen.

Ich fühlte mich gefangen und konnte es nicht aussprechen. Der Schmerz saß zu tief. Ich war zu traumatisiert und meine Community hatte mit ihrer Aufarbeitung des Geschehenen zu kämpfen.

Monate sind vergangen, in denen ich, in denen wir, versuchten, zurück zu finden in den Alltag. Und dann kam Hanau. Dieser unscheinbare Ort – er wurde auf einmal Schauplatz eines rassistischen Anschlags.

Der 19. Februar 2020 – er hat mich erschüttert und wütend zurückgelassen. Es wurden dadurch Erinnerungen an den 9. Oktober in Halle wach.

Dieser Schmerz trieb uns an, Verbündete zu suchen – über die Grenzen der eigenen Community, des eigenen Umfelds und sogar der eigenen Stadt hinaus. Die Parallelen zwischen diesen Anschlägen und anderen rechten Morden, wie aber auch zwischen unseren Erfahrungen, bildete das Fundament für unsere Zusammenarbeit auf eine bessere, inklusivere und gerechtere Zukunft hin. Dieses Ziel vor Augen hilft uns, Gemeinsamkeiten zu finden und uns in unseren Differenzen zu schätzen. Menschen, die ansonsten wahrscheinlich so nie zusammengekommen wären, begegnen sich in ihren Unterschieden. Und nicht nur das: sie machen sich füreinander stark und setzen sich füreinander ein.

                Wir, Wir sind die Radikale Vielfalt an sich; das Schöne, das Andere, das Sichtbare, das Mögliche.

                So, so sind wir das geworden.

Ein wichtiger Teil davon seid Ihr, die Familie Arslan, die ihr euch unermüdlich für Aufklärung und Erinnerung eingesetzt habt und bis heute immer noch dafür einsetzt. Euer heldenhaften Einsatz – er dient als Beispiel für andere Betroffene rechter Gewalt.

Und so stehen wir, Naomi und ich, heute hier. Zwei Frauen aus ganz unterschiedlichen Communities, mit ganz eigenen Geschichten, die heute Seite an Seite stehen. Das Absurde ist, dass wir durch die Anschläge von Halle und Hanau zusammengebracht wurden.

Danke Familie Arslan, Danke an den Freundeskreis. Danke das wir ein Teil des heutigen Gedenkens sein durften.

Vielen Dank

Möllner Rede im Exil 2020-21

Da die Möllner Rede im Exil im letzten Jahr pandemiebedingt ausfallen musste, wird sie nun nachgeholt:

Datum: 18. April 2021

Uhrzeit: 14:00 Uhr 

Redner*innen: Newroz Duman und Naomi Henkel-Gümbel sowie Angehörige der Familien Arslan und Yılmaz

Organisiert von den Familien Arslan und Yılmaz und dem „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“ 

Die Rede wird auf https://www.youtube.com/user/KampnagelTube/ live übertragen. 

Ayşe Yılmaz, Yeliz und Bahide Arslan wurden am 23.11.1992 in Mölln bei einem rassistischen Brandanschlag ermordet. Im Gedenken an sie findet die „Möllner Rede im Exil“ statt. Seit 2013 ist die Rede nicht mehr Teil des offiziellen Gedenkens der Stadt Mölln. Es schien nicht länger erwünscht, dass die Familie der Ermordeten die Redner*innen selbst bestimmt. Seitdem wird sie an wechselnden Orten „im Exil“ gehalten.

Erst wenn Betroffene ihre Geschichten erzählen und ihnen zugehört wird, können wir die Perspektiven des Erinnerns, des Gedenkens und gegenwärtige Erzählungen verändern. Die „Möllner Rede im Exil“ schafft Orte der Verbundenheit in unseren Verletzlichkeiten. Wir brauchen diese Orte der Solidarität, des Austausches, der Trauer, der Wut und der Ermutigung. Wir brauchen viele solcher Orte. 

HINTERGRUND

Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von neofaschistischen Tätern mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Anschlag wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige Ayşe Yılmaz und die 51jährige Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt. Zuvor hatten die Neonazis bereits einen Brandanschlag auf die Ratzeburger Straße 13 verübt, wo ebenfalls Menschen türkischer Herkunft wohnten. Neun von ihnen erlitten schwere Verletzungen.

Die Angehörigen und Überlebenden des Anschlags setzen sich seit vielen Jahren für ein selbstbestimmtes Gedenken von Betroffenen und Überlebenden rassistischer Gewalt ein. Ein Bestandteil dessen ist auch die „Möllner Rede im Exil“. Sie ist immer eine kritische Bestandsaufnahme zum gesellschaftlichen Rassismus, Neonazismus und Umgang mit Gedenken. Im Exil war die Rede bisher in Hamburg, Lüneburg, Bremen, Köln, Berlin und Frankfurt am Main zu Gast. Gehalten haben sie Kutlu Yurtseven, Adetoun Küppers-Adebisi, Argyris Sfountouris, Doğan Akhanlı, Esther Bejarano und İdil Baydar. 

Newroz Duman ist Aktivistin für Selbstorganisierung, Flucht, Empowerment und Antirassismus. Gemeinsam mit den Angehörigen der Ermordeten, den Verletzten und anderen Aktiven kämpft sie in der Initiative 19. Februar um Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung und Konsequenzen der rassistischen Anschläge in Hanau. Sie ist außerdem Referentin in der politischen Bildungsarbeit, Bewegungsarbeiterin /Bewegungsstiftung, organisiert bei Jugendliche ohne Grenzen und Vorstandsmitglied von PRO ASYL.

Naomi Henkel-Gümbel ist Rabbinerin in Ausbildung, Überlebende des Anschlags auf die Synagoge in Halle und Nebenklägerin im Prozess gegen den Attentäter.

Der „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“ besteht aus Mitgliedern und Freund*innen der Familie Arslan und Einzelpersonen verschiedener anti-faschistischer und anti-rassistischer Gruppen.

Wir danken Kampnagel für die solidarische Unterstützung dieser Veranstaltung. 


SÜRGÜNDE MÖLLN KONUŞMASI

Tarih: 18.04.2021

Saat: 14:00

Konuşmacılar: Newroz Duman ve Naomi Henkel-Gümbel ve Arslan ile Yılmaz ailelerinin üyeleri

Arslan ve Yılmaz aileleri ile „1992 yılında Mölln’deki ırkçı kundaklamayı anmak için arkadaş çevresi“ tarafından örgütlenmektedir.

Konuşma https://www.youtube.com/user/KampnagelTube/ üzerinden canlı olarak yayımlanacak.

Ayşe Yılmaz, Yeliz ve Bahide Arslan 23.11.1992 Mölln´de ırkçı bir kundaklamada katledildiler. Onların anısına „Sürgünde Mölln Konuşması“ yapılıyor.

2013’ten beri bu konuşma Mölln belediyesinin resmi anma töreninin bir parçası değil, ailenin sürgünde düzenlediği ayrı bir törende yer alıyor. Artık ailenin konuşmacıları kendilerinin seçmesi istenmiyor gibi bir görünüm sergeleyen Mölln belediyesi, bu konuşmayı resmi anma töreninden çıkardı. O zamandan beri konuşma farklı yerlerde „sürgünde“ yapılıyor.

Ne zaman mağdurlar hikayelerini anlatabilirler ve buna kulak verilirse, işte o zaman hatırlamanın, anmanın ve şimdiki anlatımların bakış açısını değiştirebiliriz.

„Sürgünde Mölln Konuşması“, açılan yaralarla dayanışma alanları oluşturuyor. Bizim bu dayanışma, görüş alış verişi, yas ve cesaretlendirici mekânlara ihtiyacımız var.

Çok sayıda böyle mekana ihtiyacımız var !

Arka plan metinleri

Arslan ailesinin evi 23.11.1992’de neo-faşistlerce Molotof kokteylleriyle kundaklandı. Bu saldırıda 10 yaşındaki Yeliz Arslan, 14 yaşındaki Ayşe Yılmaz ve 51 yaşındaki Bahide Arslan katledildiler. Diğer bazı aile fertleri kısmen ağır bir biçimde yaralandılar. Neo-Naziler daha önce Ratzenburger 13 adresinde, yine Türkiyelilerin oturduğu bir binayı kundaklamışlardı. Bu saldırıda dokuz kişi kısmen ağır şekilde yaralanmıştı.

Kundaklamadan kurtulanlar ve akrabaları, uzun yıllardan beri ırkçı şiddetin kurbanları ve mağdurları için, kendi karar verecekleri bir anma töreni talep ediyorlar. Bunun bir parçası da „Sürgünde Mölln Konuşması“.

Bu konuşma toplumsal ırkçılık, Neo-Nazizim ve anmaların nasıl yapılacağı üzerine bir durum değerlendirmesi. Konuşma bugüne kadar Hamburg, Lüneburg, Bremen, Köln, Berlin ve Frankfurt am Main’da sürgündeydi. Konuşmayı şimdiye kadar, Kutlu Yurtseven, Adetoun Küppers-Adebisi, Argyris Sfountouris, Doğan Akhanlı, Esther Bejarano ve İdil Baydar yaptılar.

Newroz Duman, göçmenlerin ve mültecilerin öz örgütlenmelerinde ve ırkçılık karşıtı girişimlerde aktivist olarak çalışıyor. Hanau’daki ırkçı saldırıda katledilenlerin aileleri ve yakınları, yaralanan mağdurlar ve diğer aktivistler ile birlikte 19 Şubat Girişimi’nde, saldırının unutulmaması, açıklığa kavuşturulması ve buradan dersler çıkarılması ve adalet için mücadele veriyor. Duman aynı zamanda, PRO ASYL kurumunun Sınırsız Gençler programında politik eğitim ve örgütlenme alanlarında ve kurumun yönetim kurulunda yer alıyor.

Hahamlık öğrenimi gören Naomi Henkel-Gümbel, Halle’deki sinagoga yönelik saldırıdan kurtulanlardan biri ve saldırgana karşı açılan davada müdahil davacılar arasında.

„1992 yılında Mölln’deki ırkçı kundaklamayı anmak için arkadaş çevresi“ Arslan ailesinin üyeleri ve arkadaşlarından ile farklı faşizm karşıtı ve ırkçılık karşıtı grupların bireylerinden oluşmaktadır.

Kapmnagel’e etkinliğimize verdiği dayanışmacı destek için teşekkür ederiz.


MOELLN SPEECH IN EXILE

Date: 18.04.2021

Time: 14h 

Speaker: Newroz Duman and Naomi Henkel-Gümbel and members of the families Arslan and Yılmaz

organised by the families Arslan and Yılmaz and „Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992“ 

The speeches will be live streamed at https://www.youtube.com/user/KampnagelTube/.

Ayşe Yılmaz, Yeliz and Bahide Arslan were murdered in Mölln on 23.11.1992 in a racist arson attack. Other family members were seriously injured. The relatives and survivors of the attack have been campaigning for many years for a self-determined remembrance of survivors of and those affected by racist violence. In memory of the victims, the “Moelln Speech in Exile” takes place – a critical stock-taking of societal racism, neo-Nazism and the handling of remembrance. Since 2013 the speech is no longer part of the official commemoration of the city of Mölln. It seemed no longer desirable that the family of the murdered determined the speakers themselves. Since then, it has been held “in exile” at changing locations.

Only when those affected tell their stories and when they are being listened to, we can change the perspectives of remembering, of remembrance and contemporary narratives. The “Moelln Speech in Exile” creates places of connectedness in our vulnerabilities. We need those places of solidarity, of exchange, of mourning, of anger and of empowerment. We need many of those places. 

BACKGROUND

The house of family Arslan was set on fire with molotov cocktails by neo-fascists perpetrators on November 23, 1992. During the attack, the 10 year old Yeliz Arslan, the 14 year old Ayşe Yilmaz and the 51 year old Bahide Arslan were murdered. Other family members were partly badly injured. The Neo-Nazis had already committed an arson attack in the Ratzeburger Street 13, where also people of Turkish origin lived. Nine of them were heavily injured. 

The relatives and survivors of the attack have been campaigning for many years for a self-determined remembrance of survivors of and those affected by racist violence. One part of it is the “Moelln Speech in Exile”. The speech takes place in memory of the victims and is a critical stock-taking of societal racism, neo-Nazism and the handling of remembrance. The speech has taken place in exile in Hamburg, Lueneburg, Bremen, Cologne, Berlin and Frankfurt am Main. It has been held by Kutlu Yurtseven, Adetoun Küppers-Adebisi, Argyris Sfountouris, Doğan Akhanlı, Esther Bejarano und İdil Baydar. 

Newroz Duman is an activist for self-organising, flight and migration, empowerment and anti-racism. Together with the relatives of those who were killed, those who were injured and other activists, she fights for remembrance, justice, elucidation and consequences of the racist attacks of Hanau in the Initiative 19. February. She is also a speaker in political education, a movement worker at Bewegunsstiftung, is active with Youth without Borders and a board member of PRO ASYL.

Naomi Henkel-Gümbel is a rabbi in training, survivor of the attack on the synagogue in Halle and joint plaintiff in the lawsuit against the assassin.

The Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992 consists of members and friends of family Arslan and individuals of different anti-fascist and anti-racist groups. 

We thank Kampnagel ever so much for showing their solidarity with their support of this event.  

WIR WERDEN IMMER WIEDER DA SEIN

„WIR WERDEN IMMER WIEDER DA SEIN“ Faruk Arslan
Montag, 23. November 2020
Offenes Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz

Wir bitten Euch darum, solidarische Veranstaltungen vor Ort in Euren Städten zu organisieren. Pandemiebedingt ist die Teilnahme vor Ort leider nur begrenzt möglich.

Ein herzlicher Dank geht an Talya Feldman,die diese wunderbare Grafik in Gedenken an Bahide &Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz erschaffen hat.
Talya Feldman ist Überlebende des antisemitischen Anschlags von Halle2019.
#reclaimandremember #erinnernerkämpfen #anılarıcanlıtutmamücadelesi

Originally tweeted by Freundeskreis im Gedenken (@reclaimremember) on 17. November 2020.

Hinweis auf Infektionsschutz:

Auf unserer Gedenkveranstaltung am 23.11.2020 zum Jahrestag der rassistischen Brandanschläge von Mölln vom 23.11.1992 möchten wir Euch und andere vor Infektionen mit dem Corona-Virus schützen. Daher bitten wir alle Teilnehmenden dringend um die Einhaltung der folgenden Maßnahmen:

• Haltet den Mindestabstand von 1,5 m unbedingt ein.
• Stellt euch auf die Bodenmarkierungen.
• Tragt durchgehend einen Mund-Nasen-Schutz.
• Wir behalten uns vor, Personen ohne Mund-Nasen-Schutz von der Gedenkveranstaltung auszuschließen.
• Bitte kommt nicht zur Gedenkveranstaltung, wenn Ihr an Covid-19 erkrankt seid, Quarantäne angeordnet bekommen habt oder unter Erkältungssymptomen leidet.
• Niest und Hustet in die Armbeuge.
• Es kann sein, dass zum Schutz vor Covid-19 weitere Maßnahmen getroffen werden müssen. Wir geben diese soweit wie möglich vorher sowie am Tag der Gedenkveranstaltung bekannt.

Kein Schweigen! Kein Vergessen!

Gedenken an Ramazan Avcı

Ähnliches Foto

Am 21.12.1985 wurde Ramazan Avcı zusammen mit seinem Bruder und einem Freund am Bahnhof Landwehr aus einer bekannten Skinheadkneipe heraus angegriffen. Sein Bruder und der Freund konnten in einen Linienbus fliehen, der ebenfalls von den Nazis angegriffen wurde. Ramazan Avcı rannte auf die Fahrbahn und wurde von einem Auto erfasst und meterweit durch die Luft geschleudert. Nachdem er auf der Straße aufschlug, liefen mindestens drei Skins auf ihn zu. Ramazan Avcı wurde auf dem Boden liegend mit Baseballschlägern, Axtknüppeln und Fußtritten brutal malträtiert und verstarb am 24.12.1985 an den Folgen dieser Schläge im Krankenhaus. Wenige Tage später wurde sein Sohn geboren, der nach ihm benannt wurde. Obwohl die Mörder von Ramazan Avcı aus dem Umfeld der neonazistischen FAP stammten, wurde offiziell kein politisches Motiv gesehen, Rassismus als Motiv wurde ignoriert. Die Mörder kamen mit milden Strafen davon. Die Angehörigen wurden auf lebenslang traumatisiert.

Samstag, 21.12.2019 – 16 Uhr – Ramazan-Avcı-Platz – Hamburg

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Vor “Möllner Rede im Exil”: Morddrohungen gegen Kabarettistin İdil Baydar

  • Kabarettistin İdil Baydar erhält Morddrohungen vor geplantem Auftritt in Frankfurt am Main.
  • „Möllner Rede im Exil“ am 17. November im Historischen Museum gedenkt der Opfer des rassistischen Brandanschlags von Mölln 1992.

Pressemitteilung des Vorbereitungskreis:

Am 17. November 2019 findet im Historischen Museum in Frankfurt am Main die “Möllner Rede im Exil” statt, in Gedenken an Ayşe Yılmaz, Yeliz und Bahide Arslan, die am 23. November 1992 in Mölln bei einem rassistischen Brandanschlag ermordet wurden. Neben Familie Arslan – den Überlebenden des Brandanschlages von Mölln 1992 – hält İdil Baydar am 17. November die zentrale Rede der in Frankfurt stattfindenden Gedenkveranstaltung. Jetzt gab die Kabarettistin bekannt, erneut Morddrohungen erhalten zu haben, die einen direkten Bezug zu ihrem geplanten Auftritt bei der Möllner Rede im Historischen Museum herstellen. Die Drohungen kommen klar aus dem Bereich des Rechtsextremismus.

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Biz her zaman orada olacağız – Wir werden immer da sein

27. Jahrestag des Gedenkens an die rassistischen Brandanschläge von Mölln – Mölln´deki ı kundaklamayı anmanı 27. yı lı

Offenes Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yilmaz vor dem Bahide-Arslan-Haus

Samstag, 23. November 2019

15 – 18 Uhr

Bahide Arslan Evi önünde herkese açık Bahide ve Yeliz Arslan ile Ayşe Yılmaz’ı anma.

23. Kasim 2019, Cumartesi günü

Saat 1 – 18 arasi

Mühlenstraße 9, Mölln