Für eine Gesellschaft ohne Rassismus — Keupstraße ist überall.

NSU-Prozess in München:

Für eine Gesellschaft ohne Rassismus — Keupstraße ist überall.

Bundesweiter Aktionstag – Kundgebung in Hamburg-Altona

Dienstag, 20.01.2015, 18.00 Uhr, Spritzenplatz

Kundgebung in Solidarität mit der Keupstraße

Die Kölner Initiative „Keupstraße ist überall“ ruft zum Aktionstag auf, da die Befragung der Betroffenen des Nagelbombenattentats vor dem Münchener Oberlandesgericht beginnt. Wir wollen die Stimmen der Betroffenen der Mord- und Anschlagserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auch in Hamburg verstärken. Es gibt Informationen und eine Lesung sowie eine Liveschaltung über den Prozess- und den Aktionstag in München.

Hier der Aufruf der Kölner Initiative „Keupstraße ist überall“:

Am 20. Januar 2015 wird im Rahmen des NSU-Prozeß der erste Verhandlungstag zu dem Attentat in der Kölner Keupstraße beginnen. Die Keupstraße in Köln ist eine weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt florierende Geschäfts- und Wohnstraße der „türkischen Community“. Straßen und Orte wie die Keupstraße gibt es in nahezu jeder deutschen Großstadt. Sie sind das lebendige Herz vielschichtiger und facettenreicher Metropolen in unserem Land. Als am 9. Juni 2004 in der Keupstraße eine vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) gezündete Nagelbombe explodierte, galt dies uns Allen, die in einer modernen und an verschiedenen Kulturen und Menschen reichen Gesellschaft leben wollen. Konkret sollte dieser Anschlag in der Straße möglichst viele Menschen töten und verletzen sowie ihre Geschäfte und Häuser zerstören. Nur durch glückliche Zufälle gab es dabei keine Todesopfer.

Das Attentat auf die Keupstraße ist Teil der Mord- und Anschlagserie des NSU und offenbart ihre rassistische Logik. Die vom Bombenanschlag in der Kölner Probsteigasse betroffene deutsch-iranische Familie sowie die Opfer der NSU-Mordserie Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, lsmail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasık und Halit Yozgat haben sich mit ihren Familien ökonomisch gefestigte Existenzen in der Bundesrepublik aufgebaut. Ihre Biografien zeugen von einer gesellschaftlichen Realität, in der migrantisches Leben ein historisch gewachsener, prägender und dauerhafter Bestandteil ist. Gerade für diese Perspektive steht die Keupstraße symbolisch. Und genau dieser Perspektive galt der NSU-Terror.

Lange wurde der rassistische Hintergrund auch von linken und antirassistischen Gruppen nicht zur Kenntnis genommen. Dabei zeigt der Bombenanschlag auf die Keupstraße deutlich, wie der tödliche Rassismus von Neonazis im Zusammenspiel mit staatlichen Ermittlungsbehörden, Geheimdiensten, Medien und Öffentlichkeit in der gesamten NSU-Mordserie funktioniert hat. Die rassistischen Morde und Anschläge fanden durch die Verfolgung der Behörden ihre Fortsetzung:

Bis zur Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 ermittelten sie in erster Linie gegen die Opfer sowie deren Angehörige und deren Umfeld. Das Wissen und die Perspektiven der Betroffenen ignorierten sie ebenso wie deutliche Indizien für eine rassistische Tatmotivation. So kann zu Recht behauptet werden: „Staat und Nazis — Hand in Hand“. Die Medien und die Öffentlichkeit flankierten dieses Bündnis mit dem Gerede von „kriminellen Ausländermilieus“ und „Dönermorden“. Diese Opfer-Täter-Umkehrungen sind keine Ausnahmefälle: Betroffene rassistischer Gewalt stehen immer wieder — so haben es auch die Anschläge von Lübeck, Mölln und Hattingen gezeigt — im Fokus der Verdächtigungen. Für Gerechtigkeit und Aufklärung müssen sie gegen politischen, juristischen

und gesellschaftlichen Widerstand kämpfen. Vor diesem Hintergrund hat sich in Köln die Initiative „Keupstraße ist überall“ gegründet, um in Vorbereitung auf die Verhandlungstage im NSU-Prozess in München aktiv zu werden. In vielen weiteren Städten haben sich ebenfalls Gruppen und Initiativen zusammengefunden, um den NSU-Komplex aufzuklären, seine gesellschaftliche Dimension sichtbar zu machen und die Betroffenen des rassistischen Terrors solidarisch zu begleiten. Gemeinsam mobilisieren wir nun nach München, um Solidarität mit den mehr als 30 Nebenkläger_innen und Angehörigen der Opfer zu demonstrieren. Wir protestieren gegen ihre jahrelange rassistische

Ausgrenzung und Diskriminierung und fordern eine schonungslose Aufklärung: Wer gehört(e) alles zum NSU? Wie viel Staat steckt in ihm und welche Rolle spielen Politik, Polizei und Geheimdienste?

Deshalb brauchen wir die Unterstützung von allen gesellschaftlichen Gruppen, denen bewusst ist, dass der Gerichtsprozess alleine nicht ausreichen wird, um die Geschichte der Mord- und Anschlagserie und die jahrelangen Drangsalierungen der Betroffenen und Angehörigen aufzuklären und die Ursachen des rassistischen Terrors zu beseitigen. Mit einem Aktionstag am Tag 20.1. 2015 sowie einer dauerhaften Anwesenheit während der gesamten Verhandlung der Keupstraße wollen wir mit Vielen vor und im Gericht ein sichtbares Zeichen setzen! Jahrelang wurden die Betroffenen aus der Keupstraße und die Opferangehörigen in ganz Deutschland terrorisiert. Jetzt ist der Moment gekommen, geschlossen und unmissverständlich in München unserer Wut und

Empörung Ausdruck zu verleihen.

Der NSU hat sein Ziel nicht erreicht:

Die Herzen unser Gesellschaft schlagen weiter, Migrantisches Leben ist eine Realität in Deutschland, die weder durch rassistischen Populismus, noch durch Bomben- und Mordanschläge ausgelöscht werden kann. Sie ist integraler Bestandteil einer Gesellschaft, die sich nicht durch Terror spalten lässt. Die Keupstraße geht in die Offensive: Sie ist heute ein Ort, an dem rassistischer Terror angeklagt wird und solidarische Bündnisse geschmiedet werden.

In diesem Sinne: Keupstraße ist überall.

Keupstr. ist überall!

Für eine offene Gesellschaft!

Rassisten sind Scheiße – überall!

Antirassistischer Vorbereitungskreis 20.1., Hamburg

mehr: www.keupstrasse-ist-ueberall.de

Spendenkonto: Santander Bank, Kontoinhaber: VVN; IBAN DE085003330011304690 00; BIC SCFBDE33XXX; Stichwort (unbedingt angeben): Keupstraßensolidarität

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