Möllner Rede im Exil

Die Möllner Rede im Exil wird in diesem Jahr Argyris Sfountouris halten, der das SS-Massaker im griechischen Distomo am 10. Juni 1944 überlebt hat. Er war dreieinhalb Jahre alt, als seine Eltern und dreißig seiner Familienangehörigen ermordet wurden. Als NS-Verfolgter kämpft er bis heute um Anerkennung und Entschädigung und versucht seine Geschichte durch juristische und politische Arbeit vor dem Vergessen zu bewahren. Seiner Meinung nach „muss sich die deutsche Politik mit den Opfern als Menschen beschäftigen. Wir sind kein Abstraktum.“ Mehr Hintergründe zu den Auseinandersetzungen sind hier zu finden.

Die Möllner Rede ist eine kritische Bestandsaufnahme zum gesellschaftlichen Rassismus, Neonazismus und Umgang mit Gedenken. Es gibt sie seit 2009. Seit 2013 wird sie im Exil gehalten, weil sie von offizieller Seite „nicht mehr am Jahrestag als Bestandteil des offiziellen Programms durchgeführt werden soll.“ Die Möllner Rede im Exil zeigt, wie umkämpft Erinnern ist und warum es immer wieder darum geht, das Erinnern zu erkämpfen.

Ibrahim Arslan, Überlebender des rassistischen Brandanschlags von Mölln 1992, sagt dazu: „Ich bin der Meinung, dass auch im Exil gute Reden gehalten werden können.“ Deswegen wählen wir in anderen Städten einen angemessenen Veranstaltungsort, denn Mölln ist überall.

Wir laden dieses Jahr nach Bremen ein:

Samstag, 7. November 2015
Möllner Rede im Exil

Es sprechen:
Argyris Sfountouris,
Überlebender des SS-Massakers im griechischen Distomo vom 10. Juni 1944
und
Angehörige der Familie Arslan

Ort: Foyer im Theater Bremen
Beginn: 16.00 Uhr
Anschrift: Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen

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Remembrance activities for the 23. anniversary of the racist arson attacks of Mölln 1992

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das erinnern erkämpfen
reclaim and remember
Αγώνας εις Μνήμη

Remembrance is also a remembering of violence. It makes violent structures visible. Structures, which are engraved in this society and allow verbal aggression, pogroms and murder to continue. Right-wing, racist and neo-Nazi structures. Structures of then. Structures of today.

The family home of the Arslan’s was set on fire with molotov cocktails by neo-fascists on November 23, 1992. During the attack, 10 year old Yeliz Arslan, 14 year old Ayşe Yilmaz and 51 year old Bahide Arslan were murdered. Other family members were badly injured. The neo-Nazis had previously committed an arson attack in the Ratzeburger Street 13, where also people of Turkish origin lived. Nine of them were heavily injured.

Right-wing hate campaigns, attacks on planned and existing refugee accommodations and their inhabitants have become an everyday phenomenon again in 2015. Relatives of those who were killed and survivors of racist and neo-Nazi violence name this daily racism. They describe openly how they are doing, then and today. They are making their voices heard and demanding answers.

Solidarity means to meet the affected people, in their environment, on equal terms. In a careful exchange. With open ears and wide hearts. There are many experiences and stories. Many injuries. Many wishes and needs. Many perspectives. It is important to hear them. To bring them together out of their isolation. To link them up. And through this challenge politics of remembrance as a collective in diversity.

These events are to reclaim remembrance – of what happened, of the forgotten, of the silenced, of things swept under the carpet, of the origins and the consequences, of the before and the thereafter. Those demands are still current.

There is still a lot to do.

The “Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992“ consists of members and friends of the Arslan family and individuals of different anti-fascist and anti-racist groups.

Remembrance activities:

Saturday, November 7, 2015
„Mölln Speech in Exil“
Speaking:
Argyris Sfountouris
survivor of the SS-massacre in the Greek village of Distomo on June 10, 1944
and
members of family Arslan
Place: Foyer in the Theatre of Bremen
Beginning: 16.00 Uhr
Address: Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen

Monday, November 23, 2015
„Reclaim and Remember“
Open remembrance of Bahide and Yeliz Arslan and Ayşe Yilmaz
Place: in front of the Bahide-Arslan-House
Beginning: 15.00
End: 19.00
Address: Mühlenstraße 9, Mölln

Friday, November 27, 2015
„Reclaim and Remember“
Remembrance concert for those affected by racist and neo-Nazi violence
with Neonschwarz; The Future is still Unwritten; Onejiru, Melanie Wharton and Chassy Wezar; Schwarz auf Weiss
Place: Schlachthof, Bremen
Beginning: 20.00
Address: Findorffstr. 51, 28215 Bremen

for further mobilisation events see:
https://gedenkenmoelln1992.wordpress.com/

Gedenkveranstaltungen zum 23. Jahrestag der rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992

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Αγώνας εις Μνήμη

Gedenken ist immer auch ein Erinnern an Gewalt. Und es macht gewalttätige Strukturen sichtbar. Strukturen, die diese Gesellschaft prägen, Hetzreden und Pogrome und Morde ermöglichen. Rechte, rassistische und neonazistische Strukturen. Strukturen von Damals. Strukturen von Heute.

Das Haus der Familie Arslan wurde am 23.11.1992 von neofaschistischen Tätern mit Molotow-Cocktails angezündet. Bei dem Anschlag wurden die 10jährige Yeliz Arslan, die 14jährige  Ayşe Yilmaz und die 51jährige Bahide Arslan ermordet. Weitere Familienmitglieder wurden teilweise sehr schwer verletzt.  Zuvor hatten die Neonazis bereits einen Brandanschlag auf die Ratzeburger Straße 13 verübt, wo ebenfalls Menschen türkischer Herkunft wohnten. Neun von ihnen erlitten schwere Verletzungen.

Rechte Hetze und Angriffe, Anschläge auf geplante und bestehende Flüchtlingsunterkünfte und deren Bewohnerinnen sind 2015 wieder alltäglich geworden. Angehörige der Ermordeten und Überlebende rassistischer und neonazistischer Gewalt benennen diesen alltäglichen Rassismus. Schildern manchmal offen, wie es ihnen tatsächlich geht. Damals und Heute. Verschaffen sich Gehör. Fordern Antworten.

Deswegen bedeutet Solidarität den Betroffenen zu begegnen. In ihrem Alltag. Auf Augenhöhe. Auf Austausch bedacht. Mit offenen Ohren. Und weitem Herzen. Es gibt nicht den oder die Betroffene. Es gibt viele Erfahrungen und Geschichten. Viele Verletzungen. Viele Wünsche und Bedürfnisse. Viele Perspektiven. Sie gilt es zu hören. Aus der Vereinzelung zusammenzubringen. Zu vernetzen. Und so Erinnerungspolitiken herauszufordern. Als Kollektiv in der Vielfalt.

Die Erinnerung überhaupt zu erkämpfen – an das Geschehene, an das Vergessene, an das Verschwiegene, an das unter den Teppich Gekehrte, an die Ursachen und die Folgen, an das Davor und das Danach. Diese Forderungen sind nach wie vor aktuell.

Es gibt noch viel zu tun.

Der „Freundeskreis im Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Mölln 1992“
besteht aus Mitgliedern und Freund*innen der Familie Arslan und Einzelpersonen verschiedener anti-faschistischer und anti-rassistischer Gruppen.

Gedenkveranstaltungen:

Samstag, 7. November 2015
„Möllner Rede im Exil“
Es sprechen:
Argyris Sfountouris
Überlebender des SS-Massakers im griechischen Distomo vom 10. Juni 1944
und
Angehörige der Familie Arslan
Ort: Foyer im Theater Bremen
Beginn: 16.00 Uhr
Anschrift:  Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen

Montag, 23. November 2015
„Reclaim and Remember“
Offenes Gedenken an Bahide und Yeliz Arslan und Ayşe Yilmaz
Ort: vor dem Bahide-Arslan-Haus
Beginn: 15.00
Ende: 19.00 Uhr
Anschrift: Mühlenstraße 9, Mölln

Freitag, 27. November 2015
„Reclaim and Remember“
Gedenkkonzert für die Betroffenen rassistischer und neonazistischer Gewalt
mit Neonschwarz; Refpolk, Daisy Chain, Miss Zebra, Kronstadt und DJ KaiKani; Onejiru, Melanie Wharton und Chassy Wezar
Ort: Schlachthof, Bremen
Beginn: 20.00
Anschrift: Findorffstr. 51, 28215 Bremen

Mölln’deki ırkçı kundaklamanın 23. yıl dönümü

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Αγώνας εις Μνήμη

Anmak aynı zamanda şiddeti hatırlamaktır. Ve bu, şiddet yapılarını görünür kılar. Bu toplumu şekillendiren, kışkırtıcı konuşmaları, pogromları ve cinayetleri mümkün kılan yapıları. Sağ, ırkçı, ve Neonazi yapılarını. Geçmişin yapılarını. Bugünün yapılarını.

Arslan ailesinin evi 23.11.1992’de Neofaşistler tarafından Molotof kokteyli atılarak kundaklandı. Bu saldırıda 10 yaşındaki Yeliz Arslan, 14 yaşındaki Ayşe Yılmaz ve 51 yaşındaki Bahide Arslan öldürüldü. Başka aile üyeleri kısmen ağır biçimde yaralandı. Neonaziler daha önce Ratzeberger Straße 13 adresinde yine Türklerin oturduğu bir evi ateşe vermişlerdi. Ev sakinlerinden dokuzu ağır yaralanmıştı.

Sağ kışkırtma, mevcut ve planlanmış mülteci yurtlarına ve mültecilere yapılan saldırılar 2015’te yine günlük olay haline geldi. Irkçı ve Neonazi saldırılarının kurbanları ve bu saldırılardan kurtulanlar bunu günlük ırkçılık olarak tanımlıyorlar. Bazen durumlarının nasıl olduğunu açıkça anlatıyorlar. O zaman ve şimdi. Kendilerini ifade edecek ortam yaratıp cevap talep ediyorlar.

Onun için dayanışma demek mağdurlarla bir araya gelmektir. Günlük hayatta, eşit düzeyde. Fikir alış verişi niyetiyle, dinleme iteği ve açık yüreklilikle. Kalıplaşmış bir mağdur yok. Birçok deneyim ve öykü var. Çok yaralanma var. Çok istek ve ihtiyaç. Çok bakış açısı. Bunlar dinlenmeli. Yalnızlıktan çıkarıp bir araya getirmeli ve ağlar oluşturmalı. Bununla anma, hatırlama yaklaşımları yaratmak için. Farklı biçimlerde hep beraber.
Anıları canlı tutma mücadelesi – yapılanı, unutulanı, susulanı, hasır altı edileni, nedenlerini ve sonuçlarını, öncesini ve sonrasını. Bu talepler dün olduğu gibi bugün de güncel.
Yapılacak çok şey var.

“1992 yılında Mölln’deki ırkçı kundaklamayı anmak için arkadaş çevresi”, Arslan ailesi, ailenin dostları ile farklı antifaşist ve antiırkçı grup üyesi bireylerden oluşmaktadır.

Anma toplantıları:
7 Kasım 2015, Cumartesi günü
“Möllner Rede im Exil”
Konuşmacılar:
10 Haziran 1944 yılında yunan köyü Distamo’daki SS katliamından kurtulan Argyris Sfountouris
ve
Arslan ailesi üyeleri
Yer: Bremen Tiyatrosu fuayesi
Başlama saati: 16:00
Adres: Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen

23 Kasım 2015, Pazartesi günü
“Reclaim and Remember”
Bahide ve Yeliz Arslan ile Ayşe Yılmaz için herkese açık anma
Yer: Bahide Arslan Evi’nin önü
Başlama saati: 15:00
Bitiş saati: 19:00
Adres: Mühlenstraße 9, Mölln

27 Kasım 2015, Cuma günü
„Reclaim and Remember“
Irkçı ve Neonazi saldırlarının kurbanlarıyla dayanışma konseri. Katılanlar: Neonschwarz; Refpolk, Daisy Chain, Miss Zebra, Kronstadt ve DJ KaiKani; Onejiru, Melanie Wharton ile Chassy Wezar
Yer: Schlachthof, Bremen
Başlama saati: 20:00
Adres: Findorffstr. 51, 28215 Bremen

23η Εκδήλωση Μνήμης για την ρατσιστική εμπρηστική επίθεση στο Mölln 1992

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Αγώνας εις Μνήμη

Οι εκδηλώσεις μνήμης αποτελούν πάντα και μια ανάκληση της βίας. Και ξεγυμνώνουν βίαιες οργανώσεις. Οργανώσεις οι οποίες γαλουχούν την κοινωνία, οι οποίες προωθούν την ρητορική μίσους, τα πογκρόμ και τους φόνους. Δεξιές, ρατσιστικές και νεοναζιστικές οργανώσεις. Οργανώσεις του τότε. Οργανώσεις του τώρα.

Το σπίτι της οικογένειας Αρσλάν δέχτηκε εμπρηστική επίθεση με κοκτέιλ μολότοφ από νεοφασιστικά στοιχεία στις 23 Νοέμβρη 1992. Κατά την επίθεση έχασαν τις ζωές τους η δεκάχρονη Γελίζ Αρσλάν, η δεκατετράχρονη Αϋσέ Γιλμάζ και η πενηνταενός ετών Μπαχιντέ Αρσλάν. Τραυματίστηκαν και άλλα μέλη της οικογένειας, κάποιοι σοβαρά. Πριν από το περιστατικό, οι Νεοναζί είχαν ήδη προβεί στον εμπρησμό της οδού Ratzeburger 13, όπου διέμεναν επίσης κάτοικοι τουρκικής καταγωγής. Εννιά από αυτούς υπέστησαν σοβαρά τραύματα.

Μέσα στο 2015, οι δεξιές ρητορικές, οι επιθέσεις και τα χτυπήματα σε υπάρχοντα και μελλοντικά καταλύματα προσφύγων γίνονται και πάλι καθημερινότητα. Οι οικογένειες των θυμάτων και των επιζώντων ρατσιστικής και νεοναζιστικής βίας μιλούν για αυτόν τον καθημερινό ρατσισμό. Συχνά λένε ανοιχτά τι πραγματικά τους συμβαίνει. Τότε και τώρα. Κάνουν τις φωνές τους να ακουστούν. Ζητούν απαντήσεις.

Αλληλεγγύη είναι η επαφή με τους πληγέντες. Στην καθημερινότητά τους. Μέσα στα μάτια. Με σκοπό την αλληλεπίδραση. Με ανοιχτά αυτιά. Και ανοιχτή καρδιά. Δεν υπάρχουν μόνο θύματα. Υπάρχουν πολλές εμπειρίες και ιστορίες. Πολλές πληγές. Πολλές ελπίδες και ανάγκες. Πολλές όψεις. Αλληλεγγύη σημαίνει να ακουστούν όλα τα παραπάνω. Να βγουν από την απομόνωση και να γίνουν ένα. Να δικτυωθούν. Ώστε να χτιστούν πολιτικές μνήμης. Ως σύλλογος της διαφορετικότητας.

Ο αγώνας για να κρατηθεί ζωντανή η μνήμη – η μνήμη των γεγονότων, των ξεχασμένων, των αποσιωπημένων, όσων έκαναν τα στραβά μάτια, των αιτιών και των επιπτώσεων, του πριν και του μετά. Αυτές οι απαιτήσεις είναι πάντα επίκαιρες.

Ακόμα πρέπει να γίνουν πολλά.

Ο «Σύλλογος φίλων εις μνήμη της ρατσιστικής εμπρηστικής επίθεσης στο Mölln το 1992» αποτελείται από μέλη και φίλους της οικογένειας Αρσλάν και μέλη άλλων αντιφασιστικών και αντιρατσιστικών ομάδων.

Εκδηλώσεις μνήμης:

Σάββατο, 7. Νοέμβρη 2015
«Ομιλία για το Μölln στην εξορία»
Μιλούν:
Αργύρης Σφουντούρης
Επιζών της σφαγής των Ες-Ες στο Δίστομο στις 10 Ιουνίου 1944
και
Μέλη της οικογένειας Αρσλάν
Χώρος: Φουαγιέ στο θέατρο της Βρέμης
Έναρξη: 4 μ.μ.
Διεύθυνση: Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen

Δευτέρα, 23. Νοέμβρη 2015
„Reclaim and Remember“
Ανοιχτή εκδήλωση στη μνήμη των Μπαχιντέ και Γελίζ Αρσλάν και Αϋσέ Γιλμάζ
Χώρος: μπροστά στην οικία Μπαχιντέ-Αρσλάν
Έναρξη: 3 μ.μ.
Λήξη: 7 μ.μ.
Διεύθυνση: Mühlenstraße 9, Mölln

Παρασκευή, 27. Νοέμβρη 2015
„Reclaim and Remember“
Συναυλία αλληλεγγύης για τους πληγέντες από ρατσιστική και νεοναζιστική βία με τους
Neonschwarz: Refpolk, Daisy Chain, Miss Zebra, Kronstadt και DJ KaiKani: Onejiru, Melanie Wharton und Chassy Wezar
Χώρος: Schlachthof, Βρέμη
Έναρξη: 8 μ.μ.
Διεύθυνση: Findorffstr. 51, 28215 Bremen

Hans-Frankenthal-Preis 2015

Wir sind sehr dankbar, dass wir in diesem Jahr zusammen mit dem Historikerlabor e.V. den Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee verliehen bekommen. Es ist uns eine große Ehre.

Wir möchten herzlich zur Preisverleihung einladen, die am

Donnerstag den 15.10.
um 19:00 Uhr
im Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
(Von-Melle-Park 3, Eingang: Edmund Siemers Allee/Ecke Grindelallee)

stattfindet.

Die Pressemitteilung dazu finden Sie hier.

PM_HFP2015

Wir gedenken Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân

Der Aufruf der Initiative für ein Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân:

„35 Jahre nach den rassistischen Morden – Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân!“

Gedenkkundgebung in der Halskestraße 72, Billwerder

In der Nacht vom 21. auf den 22. August 1980 verüben Mitglieder der terroristischen Neonazigruppe „Deutsche Aktionsgruppen“ in der Hamburger Halskestraße in Billwerder einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim, in dem ca. 240 Menschen untergebracht sind.

In einem Zimmer im Erdgeschoss schlafen zwei junge Vietnamesen aus Saigon. Der 22jährige Nguyễn Ngọc Châu war von dem Rettungsschiff “Cap Anamur” aus einem Boot im Südchinesischen Meer geborgen worden und erst im April nach Hamburg gekommen. Sein Zimmergenosse, der 18jährige Đỗ Anh Lân, hat schon eine zwei Jahre lange Flucht  hinter sich, bevor ihn im August 1979 die Hilfsaktion der Wochenzeitung “Die Zeit” von Pulau Bidong nach Hamburg bringt.

Die beiden Neonazis, ein Mann und eine Frau, werfen Molotowcocktails in das Zimmer, in dem die beiden schlafen. Es steht sofort in Flammen, Rettungsversuche anderer Hausbewohner sind vergebens. Nguyễn Ngọc Châu stirbt noch am Morgen nach dem Feuer, Đỗ Anh Lân erliegt einige Tage später seinen schweren Brandverletzungen.

Heute ist dieser Anschlag nahezu vergessen; an dem Haus, jetzt ein Hotel, erinnert nichts daran, dass hier zwei Menschen ermordet wurden. Um ihrer zu gedenken, gab es vor einem Jahr erstmals eine Kundgebung, bei der auch eine Gedenktafel aufgestellt wurde. Diese wurde mitsamt den niedergelegten Blumen nur wenige Stunden später von Seiten des Hotels wieder entfernt.

Dabei werden wir es nicht bewenden lassen. Deshalb wird es zum 35. Jahrestag des Mordes an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân wieder eine Kundgebung in der Hamburger Halskestraße geben.

Wir gedenken der Ermordeten und demonstrieren für:

    • Die Umbenennung der Halskestraße nach Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân.
    • Die entsprechende Umbenennung der Bushaltestelle am Tatort.
    • Eine fest installierte Gedenktafel, die die Ereignisse dokumentiert und an die beiden Opfer erinnert.

Zur gemeinsamen Anfahrt treffen wir uns um 13:15 vor dem S-Bahnhof Sternschanze. Gerne könnt Ihr Blumen und andere Dinge mitbringen, um sie zum Gedenken an die Ermordeten in der Halskestrasse niederzulegen.

Initiative zum Gedenken an Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân

NSU-Prozess: Die Betroffenen der Keupstraße ergreifen das Wort – und werden erneut verunglimpft

PRESSEMITTEILUNG
Kassel/München/Köln, 11.02.2015 – Die Initiative „Keupstraße ist überall“ und das bundesweite Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“ weisen die jüngsten Diffamierungen durch einige MedienvertreterInnen zurück, die sich gegen Betroffene der Nagelbombe in der Kölner Keupstraße und einige NebenklägerInnen im NSU-Prozess richten. Es wird versucht, den Betroffenen des Mordanschlags das Recht abzusprechen, die rassistische Tat anzuklagen. Dieses Recht ist aber nicht verhandelbar. Wir lassen nicht zu, dass die Betroffenen des Neonazi-Terrors in Opfer erster und zweiter Klasse gespalten werden.

Zum Hintergrund: Am 20. Januar dieses Jahres erhoben die Betroffenen des NSU-Nagelbombenanschlages in der Kölner Keupstraße ihre Stimme. Gemeinsam mit der Initiative „Keupstraße ist überall“ und einem bundesweiten Bündnis forderten sie auf einem Aktionstag vor dem Oberlandesgericht in München die vollständige Aufklärung des NSU-Komplexes. Sie berichteten von dem terroristischen Anschlag des Neonazi-Netzwerks NSU im Jahr 2004 und von den unmittelbaren Verwüstungen und Verletzungen, die diese Bombe angerichtet hatte. Aber auch im Gericht versuchten sie als Zeugen und Zeuginnen deutlich zu machen, dass die Bombe nur der Anfang eines jahrelangen Leidenswegs war, der seine Fortsetzung in Verdächtigungen, Bespitzelungen und Verhören durch die ermittelnden Behörden nahm. Für die Polizei war es ausgemachte Sache, dass die Täter im „migrantischen Milieu“ zu finden seien. Bis zur Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 wurden die Opfer wie Täter behandelt. Sie wurden vielfältigen Unterstellungen ausgesetzt, die allesamt die Grundannahme teilten, dass die türkisch geprägte Nachbarschaft der Keupstraße eine undurchdringliche, verschworene und kriminelle Parallelwelt sei.

Der Anschlag nach dem Anschlag

Auch die Presse hat dieses Bild maßgeblich mitgestaltet und verbreitet. Prominent dabei war auch die Zeitschrift Der Spiegel, die noch im Februar 2011 unter dem Titel „Düstere Parallelwelt“ zu berichten wusste, dass man zwar immer noch nicht wisse, wer hinter der Mordserie an den neun ausländischen Gewerbetreibenden stecke, allerdings gewiss sei, dass der Täter aus dem „migrantischen Milieu“ stamme (21.2.2011).

Diese Diffamierungsgeschichte war für die Betroffenen aus der Keupstraße mit dem Schrecken des Bombenanschlags untrennbar verflochten und stellte dessen Fortsetzung dar; für sie war es der Anschlag nach dem Anschlag.

Betroffene können Hinweise zur Aufklärung des NSU-Komplexes liefern

Diesem Zusammenhang wurde vom Gericht bisher keine Bedeutung zugemessen. Deswegen artikulierten die Betroffenen auf dem Aktionstag vor dem Gericht die Erfahrung von rassistischer Schikane und Drangsalierung. Sie machten auf die Verwicklung von Geheimdiensten und Neonazi-Strukturen sowie die Bedeutung von institutionellem Rassismus aufmerksam. Die Betroffenen erläuterten, dass sie nicht nur von Neonazis angegriffen, sondern auch von Behörden und Teilen der Öffentlichkeit als Problem angesehen und entsprechend attackiert wurden – teilweise bis heute. Der Aktionstag war in diesem Sinne ein voller Erfolg, weil die öffentliche Aufmerksamkeit und Anteilnahme für die leidvollen Erfahrungen der Opfer der Nagelbombe sehr hoch war. Endlich konnten die Betroffenen ihre Geschichte ungestört einer medialen Öffentlichkeit berichten, ohne unterbrochen und gemaßregelt zu werden. Es wurde deutlich, dass die Betroffenen ExpertInnen in der Einschätzung rassistischer Verhältnisse sind, und ihre jahrzehntelangen Erfahrungen Hinweise zur Aufklärung des NSU-Komplexes liefern können.

Reaktion auf das Ausbrechen aus der zugewiesenen Opferrolle

Noch während des Aktionstages und in den Tagen danach verschärfte sich allerdings der Ton des Gerichts. Viele ZeugInnen fühlten sich vom Gericht mit seinem Vorsitzenden Richter Götzl wie Angeklagte behandelt. Unwirsch versuchte er sie in Widersprüche zu verwickeln und ließ jegliche Form eines sensiblen Umgangs mit diesen zum Teil noch stark traumatisierten Menschen missen. Die ZeugInnen aus Köln, die gleichzeitig auch als NebenklägerInnen auftreten, wurden mitunter wie Verdächtige behandelt. Diesen Umgang verstehen wir als eine Reaktion auf das Ausbrechen dieser Menschen aus der ihnen zugewiesenen Rolle.

Zwei Artikel auf Spiegel Online vom 22.1. und 28.1.2015 und andere Medienberichte gingen einen Schritt weiter und kehrten in eingeübter Manier Opfer in Täter um. Erneut wurden die migrantischen Betroffenen unglaubwürdig gemacht und auf einen gesellschaftlichen Platz verwiesen, an dem sie passiv und stumm verharren sollen. Statt auf das Unrecht einzugehen, das den Opfern des Nazi-Terrors zugefügt wurde, berichtete die Spiegel-Journalistin Gisela Friedrichsen von zerstrittenen Anwälten, erfundenen Opfergeschichten und unrechtmäßiger Beteiligung verschiedener NebenklägerInnen. Damit unterstützt Der Spiegel das Störfeuer der Verteidigung von Beate Zschäpe. Am Tag nach der Veröffentlichung beantragte die Verteidigung, NebenklägerInnen aus der Keupstraße und engagierte Anwälte vom Prozess auszuschließen. Die anklagenden Betroffenen sollen in die Defensive gedrängt werden.

Rassisten nicht in die Karten spielen

Damit führten Der Spiegel und ihn flankierende Medien eine schlechte Tradition weiter, in der Opfer von Rassismus verdächtigt und verunglimpft werden, wie es auch in der Keupstraße in den Jahren 2004 bis 2011 geschah. Statt endlich das ausgedehnte Netzwerk des NSU zu

recherchieren, das sich gerade in dem Anschlag in der Kölner Keupstraße andeutet und das bis heute im Verborgenen gehalten wird, greift Der Spiegel mit Falschdarstellungen voller Ressentiments erneut die Opfer an. Er bedient weiterhin das Bild der „gefährlich Fremden“ und damit den Diskurs der Straßenrassisten von Pegida und Co. Dieses Vorgehen erfordert eine entschiedene gesellschaftliche Antwort.

Unterzeichner/innen aus dem
Bundesweiten Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen“

    • Initiative „Keupstraße ist überall“, Köln
    • Initiative 6. April, Kassel
    • Initiative „Das Schweigen durchbrechen“, Nürnberg
    • Bündnis gegen Rassismus, Berlin
    • Allmende e.V. – Haus alternativer Migrationspolitik und Kultur, Berlin
    • Antirassistische Initiative Berlin e.V.
    • Bündnis gegen Naziterror und Rassismus, München
    • Freundeskreis im Gedenken an die rassistischen Brandanschläge von Mölln 1992

Website:
www.keupstrasse-ist-ueberall.de